INA in Äthiopien: Pilotprojekt ISASE – Innovations for Sustainable Agricultural Supply Chains in Ethiopia

In Äthiopien rückt die INA seit Sommer 2019 Bienenwachs als bisher vernachlässigten Rohstoff in den Fokus. In der Region des Woreda Nono Sale wird in erster Linie Kaffee angebaut, parallel dazu betreiben viele der Kleinbauernfamilien Bienenzucht, manche von ihnen bauen zudem Gewürze an. Der Honig wird genutzt, das Wachs wurde bisher oftmals nicht verwertet. Auf dem Weltmarkt ist Bienenwachs in Bioqualität jedoch ein gefragter Rohstoff.

 

Durch die offene und engagierte Zusammenarbeit von relevanten Wachsunternehmen und Kaffeeunternehmen in der INA sollen nun neue Absatzmärkte geschaffen werden. Die Kleinbauernfamilien können so ihr Einkommen aus dem Verkauf verschiedener Rohstoffe gestalten. Maßnahmen zur Professionalisierung ihrer Aktivitäten in Bereichen Honig, Bienenwachs und Gewürze soll zur Schließung der Einkommenslücke hin zu einem existenzsichernden Einkommen beigetragen werden. Dazu gehört auch die Anpassung der Produktion und Verarbeitungsschritte an die Anforderungen des internationalen Marktes als Voraussetzung für den Aufbau von Exportkapazitäten, vor allem im Qualitätssegment von Kaffee und Bienenwachs.

 

Das Ziel des INA-Projekts ist der Aufbau einer nachhaltigen Anbauregion auf Ebene des Woreda Nono Sale in der Oromia Region. Im Fokus des Projekts stehen Kaffee, Bienenwachs, Honig, Gewürze. Zudem soll die Rückverfolgbarkeit dieser Rohstoffe mit digitalen Lösungen verbessert werden.

Rückverfolgbarkeit erhöht bäuerliche Einkommen und schützt Wälder in Äthiopien.

 

Ein interdisziplinäres Team des Sektorporgramms Nachhaltige Agrarlieferketten und Standards (NAS) ermöglicht in Äthiopien höhere Einkommen, Waldschutz und die internationale Vermarktung von Kaffee und Bienenwachs. Dafür hat es ein digitales Rückverfolgbarkeitssystem mit Blockchain-Technologie aufgebaut, das an einen globalen Marktplatz für Spezialitätenkaffee angebunden ist. Kombiniert mit analogen Maßnahmen wie Trainings zur Qualitätsverbesserung zielt es auf die Entwicklung einer nachhaltigen Anbauregion und existenzsichernder Einkommen der lokalen Bevölkerung ab.

 

 

Landwirtschaft in Nono Sale:

 

Die einfachen Lehmwände des Büros der Kooperative „Dire Gudinaa“ sind über und über mit großformatigen, handbeschriebenen Zielerreichungsplänen bedeckt: Budgets, Indikatoren zu Waldschutzmaßnahmen, erwartete Kaffeeernten. In der Ecke des engen Raumes türmen sich Registerbücher. Die Bücher enthalten detaillierte Angaben zu Kaffee-Transaktionen, Wareneingängen und -ausgängen und den Mitgliedern der Kooperative. Direkt nebenan im Lagerhaus aus Wellblech stapeln sich Jutesäcke mit getrockneten Kaffeekirschen. Sie warten auf den Transport nach Metu zur Trockenmühle der „Sorgaba Union“, bei der die Kooperative Mitglied ist. Von Digitalisierung keine Spur. Noch geht hier alles seinen analogen Weg.

 

Wir befinden uns in Nono Sale, einem Woreda (Distrikt) im Südwesten Äthiopiens in der Region Oromia. Über 80 Prozent der Fläche Nono Sales ist bewaldet, größtenteils mit Primärwald. Die etwa 5.100 bäuerlichen Haushalte beziehen ihre Einkommen zu großen Teilen aus der Waldimkerei und dem Verkauf von Wildkaffee. Das Hochland Äthiopiens gilt als die Herkunftsregion des Arabica-Kaffees, der hier als wild wachsende Pflanze unter dem Schattendach tropischer Baumriesen gedeiht. Die Holzentnahme und das Pflanzen weiterer Kaffeebäume unterliegen den strengen Auflagen eines Wald-Managementsystems, das den Waldbestand schützen soll. Es fehlt jedoch an Ressourcen und Hebeln, um diese Auflagen effizient durchzusetzen.

 

Der im Wald gepflückte Kaffee wird hauptsächlich als Massenware über die äthiopische Rohstoffbörse gehandelt. Die Bäuerinnen und Bauern erzielen damit nur sehr niedrige Preise und können davon mehr schlecht als recht leben. Um ihre Einkommenssituation zu verbessern, erhöhen viele Bäuerinnen und Bauern die Anzahl der Kaffeebäume. Dafür brauchen sie mehr Sonnenlicht und müssen das Kronendach des Waldes lichten. Der Waldbestand sieht sich einem steigenden Druck ausgesetzt.

 

 

 

 

Durch Digitalisierung zu Nachhaltigen Anbauregion:

 

Das Programm Nachhaltige Agrarlieferketten und Standards (NAS) hat unter dem Dach des Pilotprojekts ISASE (Innovations for Sustainable Agricultural Supply Chains in Ethiopia) ein ambitioniertes Projekt gestartet, um gleich mehrere der Herausforderungen vor Ort mithilfe digitaler Lösungen zu bewältigen. In Kooperation mit der Distriktverwaltung, weiteren lokalen Akteuren und dem GIZ Biodiversitäts- und Forstprogramm (BFP) entwickelt das Programm eine „Nachhaltige Anbauregion“ in Nono Sale. Dafür verständigen sich alle Akteure in einem Fahrplan darauf, die natürlichen Ressourcen des Distrikts zu schützen, existenzsichernde Einkommen für die Bevölkerung zu erreichen und den Fortschritt zu monitoren.

 

Zu den Maßnahmen dieses Plans zählt, den lokalen Kaffee als Spezialitätenkaffee zu vermarkten, um dafür deutlich höhere Preise als bisher zu erzielen. Zudem sollen mit dem Export des bislang noch als Abfallprodukt angesehenen, aber hochwertigen Bienenwachses weitere Einkommenspotenziale genutzt werden. Analoge Trainingsmaßnahmen, etwa zu verbesserten Verarbeitungsprozessen der Ernte, dienen der Qualitätssteigerung des Kaffees. Außerdem kommt ein digital gestütztes Rückverfolgbarkeitssystem zum Einsatz, in dem sämtliche Schnittstellen entlang der Lieferkette erfasst werden: Bäuerliche Haushalte, die Kooperativen und die Union erhalten jeweils eine digitale ID. Jede Transaktion entlang der Lieferkette, etwa die Zulieferung von Kaffee und Wachs bei der Kooperative, der Weitertransport der Ernte und der Eingang bei der Union werden nun digital erfasst und fälschungssicher auf einer Blockchain gespeichert. Dokumentiert werden zudem die genaue Herkunft, die gezahlten Preise und weitere relevante Datenpunkte. Bäuerinnen und Bauern mit eigenem Smartphone können über eine an das System angebundene App ihre Verkäufe sowie die erhaltenen Zahlungen verwalten und verifizieren. Auch alle weiteren Akteure können ihre Lieferkette über das System digital verwalten und mittels verschiedener Dashboards vielfältige Analysen durchführen.

 

Die digitale Lösung wird in enger Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen, Bauern und Kooperativen entwickelt (Design with the user). So stellt das Vorhaben sicher, dass die Lösung Bedürfnisse erfüllt. Im nächsten Schritt werden Daten zum CO2-Fußabdruck sowie ein Modul zur Erleichterung des Zugangs zu Agrarkrediten in das System integriert.  

 

 

Produkte mit hohem Qualitätsprofil:

 

Im Ergebnis erhält der Kaffee eine Identität. Er ist nun nicht mehr billige, austauschbare Massenware, sondern ein differenziertes Produkt mit hohem Qualitätsprofil, etwa „Wildkaffee der Kooperative Dire Gudinaa“. Seine Lieferkette und Wertschöpfungsverteilung sind transparent geworden. Internationale Käufer sind bereit, für ein solches Produkt bedeutend höhere Preise zu bezahlen. Der signifikante Mehrwert schlägt sich direkt im Einkommen der bäuerlichen Haushalte nieder. In Verbindung mit weiteren Maßnahmen, etwa zur Stärkung des partizipativen Forstmanagement, senkt das auch den Druck, Wald zugunsten von Anbaufläche und Lichteinstrahlung abzuholzen.

 

Aus dem Netzwerk der Initiative für Nachhaltige Agrarlieferketten (INA) des Programm NAS stehen bereits einige Unternehmen bereit, die sowohl den Kaffee als auch das Bienenwachs aus dem Projekt abnehmen wollen, sobald die ersten Tranchen das Rückverfolgbarkeitssystem passiert haben. Darüber hinaus ist die Lösung in einen globalen Marktplatz (Beyco) für Spezialitätenkaffee integriert, auf dem bereits mehrere hundert Käufer und Anbieter registriert sind. Alle Transaktionen inklusive der gezahlten Preise und Abnahmemengen können hier öffentlich sichtbar gemacht werden.

 

Die Digitalisierungslösung ist für Anbieter und Käufer frei nutzbar. Bei der Entwicklung wird daher auch großes Augenmerk daraufgelegt, dass es leicht auf andere Kontexte übertragbar ist. Es bestehen bereits Vereinbarungen, die Rückverfolgbarkeits- und Markplatzlösung in weiteren Anbauländern wie Kolumbien zu nutzen.

 

Vielleicht ist beim nächsten Besuch im Büro der Kooperative bereits ein Solarmodul zu sehen, das die Smartphones der Bäuerinnen und Bauern mit Strom versorgt – die Ladekabel führen dann in die Ecke des kleinen Raums, in der sich heute noch die Registerbücher türmen. Die werden schließlich schon bald nicht mehr gebraucht. Wir werden berichten.

 

Produktkarte Bienenwachs 

 

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zur Produktion von Bienenwachs in Nono Sale. 

Produktkarte Honig 

 

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zur Honigproduktion in Nono Sale. 

Produktkarte Ingwer 

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum Anbau von Ingwer in Nono Sale. 

Produktkarte Kaffee 

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zur Kaffeeproduktion in Nono Sale. 

GIZ/Silas Koch

Produktkarte Korerima 

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum Anbau von Korerima in Nono Sale. 

Mitstreitende gesucht

Sind Ihre Organisation oder Ihr Unternehmen in Äthiopien oder zu den genannten oder weiteren Rohstoffen tätig? Möchten Sie gemeinsam mit der INA für existenzsichernde Einkommen aktiv werden? Dann schreiben Sie uns