Schulung von Bäuerinnen zur Herstellung von Kräuterextrakten für die Produktion von Bio-Baumwolle. // © bioRe

Schulung von Bäuerinnen zur Herstellung von Kräuterextrakten für die Produktion von Bio-Baumwolle. // © bioRe 

Nachhaltigkeit und Wertschöpfung entlang der Lieferketten Baumwolle, Tee und Gewürze 

Mehr als die Hälfte der 1,3 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner Indiens ist in der Landwirtschaft tätig. Millionen von kleinbäuerlichen Betrieben stehen am Anfang der globalen landwirtschaftlichen Lieferketten. Ihre wichtigsten Produkte für den Export sind Baumwolle, Tee und Gewürze. Indien verfügt über die größte Baumwollanbaufläche weltweit, ist der größte Exporteur von Gewürzen und der zweitgrößte Teeproduzent der Welt. Doch viele Kleinbäuerinnen und -bauern sind von Armut und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Nur ein geringer Teil der landwirtschaftlichen Produktion arbeitet bisher nach international anerkannten Nachhaltigkeits- und Qualitätsstandards.  

 

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet die GIZ in Indien daran, die Produktion von Baumwolle, Tee und Gewürzen nachhaltig zu gestalten und die Lieferketten für die Verarbeitung der Agrarrohstoffe zu stärken.  

Schauen Sie sich unsere Filme an, die Ihnen unser Projekt näher bringen. Wir haben einen vierminütigen Kurzfilm und eine elfminütige Version produziert. Viel Spaß!

 

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Baumwolle dient als Lebensgrundlage für circa 6 Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern in Indien. Nach der Landwirtschaft ist die Textilindustrie der zweitgrößte Arbeitgeber des Landes, mit über 45 Millionen direkten und 60 Millionen indirekten Angestellten. Seit 2019 fördert das GIZ Globalvorhaben „Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in Agrarlieferketten“ in Partnerschaft mit dem indischen Textilministerium und Landwirtschaftsministerium die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards wie Better Cotton, Fairtrade und Bio-Standards in der Baumwollproduktion. Bisher konnten bereits 240.000 Kleinbäuerinnen und -bauern in den Regionen Gujarat, Madhya Pradesh, Maharashtra und Tamil Nadu unterstützt werden. Weltweit gibt es eine Reihe von führenden, globalen Unternehmen, die sich im Rahmen von Partnerschaften mit der GIZ für die Umstellung von konventioneller hin zu biologischer Baumwollproduktion engagieren.  

Bäuerinnen bei der Ernte von Baumwolle im indischen Staat Madhya Pradesh // © GIZ
Bäuerin bei der Ernte von Baumwolle im indischen Staat Maharashtra // © GIZ
Feldversuche und Probenentnahme von Bio-Baumwolle als Teil des bioRe-Projekts // © GIZ
Teilnehmerin an einem Nähkurs im Welspun-Projekt des Vorhabens im indischen Maharashtra // © GIZ

Vom Feld ins Regal 

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist ein Projekt mit ALDI Nord und ALDI Süd. Das Projekt unterstützt rund 1.000 Kleinbäuerinnen und -bauern in Maharashtra bei der Umstellung von konventioneller Baumwolle auf Bio-Baumwolle. Eine solche Umstellung dauert mehrere Jahre. Während dieser Phase kann die Baumwolle zunächst noch nicht als ökologisch zertifiziert werden – dies ist erst ab dem dritten Jahr möglich. Durch niedrige Erträge des biologischen Anbaus, kehrt jedoch fast die Hälfte der Bäuerinnen und Bauern während der Umstellungsphase wieder zum konventionellen Anbau zurück. Um Ernteverluste auszugleichen, unterstützen ALDI Nord und ALDI Süd die Kleinbäuerinnen und -bauern durch Prämienzahlungen. Zudem werden sie durch zwei lokale Umsetzungspartner u.a. mit Trainings für den Aufbau und den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und den Zugang zu hochwertigem Bio-Saatgut unterstützt. Die Baumwolle aus dem Projekt wird in Textilien der Eigenmarken weiterverarbeitet und in den ALDI-Filialen erhältlich sein.  

Vom Feld in den Fanshop 

Ein weiteres Projektbeispiel des Globalvorhabens ist die Partnerschaft mit dem nachhaltigen Textilunternehmen BRANDS Fashion und sieben Fußballvereinen der 1. und 2. Bundesliga für Fanartikel aus fair und biologisch produzierter Baumwolle. Mit dabei sind der 1. FC Union Berlin, Arminia Biele­feld, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, SV Werder Bremen, VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg. Gemeinsam unterstützen sie Kleinbäuerinnen und -bauern aus einer Baumwollkooperative in Indien bei der Umstellung auf Bio-Baumwollanbau – durch Abnahmegarantien sowie durch Schulungen in nachhaltigen Anbaupraktiken oder den Zugang zu verbessertem Saatgut. In Zukunft sollen die nachhaltigen Merchandising-Artikel in den Fanshops erhältlich sein. Gleichzeitig umfasst das Projekt eine Initiative aus dem Vorhaben Sport für Entwicklung. Kindern und Jugendlichen in den angrenzenden Gemeinden des Baumwollanbaus werden durch Sporttrainings Life-Skills vermittelt. Sie erhalten Perspektiven für Bildung, Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und für ein friedliches Miteinander.  

 

Erhalt der Biodiversität und klimaresistenter Anbau von Tee und Gewürzen in Indien  

Die Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten (INA) stärkt mit dem indischen Handels- und Industrieministerium Nachhaltigkeit und lokale Wortschöpfung entlang der Lieferketten Tee und Gewürze in den indischen Bundesstaaten Assam und Kerala. Durch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und strategisch wichtigen Akteuren fördert das Vorhaben die Lieferketten „vom Regal ins Feld“. Dies geschieht durch Schulungen für nachhaltige Anbaupraktiken, die Erbringung innovativer Dienstleistungen im vor- und nachgelagerten Bereich sowie den Aufbau von Multi-Akteurs-Partnerschaften zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Besondere Schwerpunkte liegen darin, die soziale Sicherheit von Arbeiterinnen in Teeplantagen zu verbessern, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen und die Agrobiodiversität zu erhöhen. Beispielsweise fördert das Vorhaben gemeinsam mit Yogi Tee und AvT McCormick den regenerativen, ökologischen Gewürzanbau von Kurkuma und Ingwer in den Western Ghats. Mit UN Women und dem Forum Fairer Handel wird eine COVID-19-Maßnahme für die Schulung von guten landwirtschaftlichen Praktiken sowie Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen für Arbeiterinnen auf Teeplantagen durchgeführt.  

 

Ist Ihre Organisation oder Ihr Unternehmen in den genannten oder weiteren Rohstoffen tätig? Die INA agiert als Plattform für interessierte Unternehmen und bindet diese in den Rohstoff-Hub über das Instrument der integrierten Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (iEPW) ein. 

Möchten Sie gemeinsam mit der INA für nachhaltige Lieferketten in Indien aktiv werden? Dann schreiben Sie uns!