Expertise zu Agrarrohstoffen

Naturkautschuk

Naturkautschuk ist Bestandteil einer Vielzahl von Produkten des alltäglichen Lebens, zum Beispiel von Reifen, Latexhandschuhen, Matratzen oder Kondomen. Die Anbauflächen für Kautschuk wachsen rasant. Die Konsequenzen sind Entwaldung, Zerstörung von Torfböden und Landrechtskonflikte. Über 90 Prozent des Anbaus findet in Südostasien statt, dort größtenteils in Thailand und Indonesien. Der Anbau von Kautschuk ist sehr arbeitsintensiv und wird zu 80 Prozent von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern geleistet, die den schwankenden Weltmarktpreisen ausgesetzt sind.

Soja

In den USA, Brasilien und in Argentinien werden 80 Prozent des Sojas produziert. Für die Gewinnung neuer Anbauflächen werden besonders in Lateinamerika Regenwälder und Trockenwälder des Cerrado und Gran Chaco gerodet. Dort kommt es zur Verdrängung von traditionellen Landnutzerinnen und Landnutzern. Allein von 1990 bis 2008 trug der Sojaanbau zu einer Entwaldung von 13 Mio. Hektar bei. Dies entspricht etwa 19 Prozent aller Entwaldung, die durch die Ausweitung von landwirtschaftlichen Flächen verursacht wurde. Grund dafür ist unter anderem ein mit steigendem Wohlstand erhöhter Fleischkonsum, denn Soja wird vor allem als Eiweißfuttermittel für Hühner, Schweine und Rinder genutzt. In Form von Tofu, Sojamilch oder Sojasoße verzehren wir Menschen weltweit lediglich 6 Prozent der Sojabohnen.

Palmöl

Palmöl ist in vielen Produkten unseres täglichen Konsums enthalten und der Bedarf in Deutschland steigt. Den größten Teil der Palmölimporte verbraucht derzeit der Energiesektor, gefolgt von der Lebensmittelindustrie und dem Futtermittelbereich. Indonesien und Malaysia produzieren 84 Prozent des weltweit erzeugten Palmöls. Die Ölpalmen-Plantagen werden zu einem großen Teil von großen Unternehmen bewirtschaftet, jedoch ist der Ölpalmanbau auch für Kleinbauern eine relevante Einnahmequelle. Das Geschäft ist für die produzierenden Länder lukrativ, deshalb werden auch Primärwälder für neue Anbauflächen gerodet. Damit verbunden ist der Verlust an Biodiversität und die Freisetzung von Klimagasen durch Waldrodung und den Anbau auf Torfböden. Deshalb setzten immer mehr Unternehmen in Europa auf zertifiziertes Palmöl.

Banane

In der EU konsumierte Bananen werden größtenteils aus Lateinamerika importiert und dort zu 80 Prozent auf großen Plantagen angebaut. Die für den Weltmarkt wichtigsten Produzentenländer sind Ecuador, Costa Rica, Guatemala und Kolumbien. Deutschland ist einer der größten Importeure von Bananen und trägt damit maßgeblich zu den Problemen in den Produktionsländern bei.

Dort sind Biodiversitätsverluste, Bodendegradierungen und Wasserverschmutzung die größten Probleme. Neben den ökologischen Herausforderungen gibt es aber auch soziale Missstände innerhalb der Wertschöpfungskette für Bananen, zum Beispiel die schlechte Bezahlung von Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Plantagen und die Gesundheitsgefährdung von Menschen durch die eingesetzten Pflanzenschutzmittel.

Aggressive Preisverhandlungen des Lebensmitteleinzelhandels mit den Händlern und Bananenproduzenten halten die Konsumenten- und Produzentenpreise niedrig. Dies verkleinert den Spielraum zur Verbesserung der Anbaubedingungen zusätzlich.

Kaffee

Rund 125 Millionen Menschen sind weltweit im Kaffeesektor tätig. 25 Millionen Produzentinnen und Produzenten, größtenteils kleinbäuerliche Familien erwirtschaften ihren Lebensunterhalt mit dem Kaffeeanbau, viele von ihnen leben in Armut. Herausforderungen sind vor allem die extrem niedrigen Preise für Rohkaffee, steigende Produktionskosten und die Folgen des Klimawandels. Die Weiterverarbeitung, durch die der höchste Gewinn erzeugt wird, findet zu großen Teilen in den Konsumländern statt. So wird in Deutschland, dem zweitgrößten Importeur von Kaffee, ein Teil nach der Verarbeitung wieder exportiert. Doch viel Kaffee wird auch hier konsumiert. Der Pro-Kopf-Konsum von Bohnenkaffee lag 2016/2017 bei 162 Litern pro Jahr und ist damit höher als der Konsum von Mineralwasser (153l) oder Bier (104l).

Kakao

Weltweit arbeiten 5,5 Millionen Menschen im Kakaoanbau. Die meisten von ihnen sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Schwankende, niedrige Weltmarktpreise, die Machtkonzentration innerhalb der Wertschöpfungskette sowie die Abhängigkeit vom Kakaoanbau sind wesentliche Ursachen für die anhaltende Armut der Kakaobäuerinnen und Kakaobauern und führen zu ausbeuterischer Kinderarbeit. In dem Hauptanbauland, der Côte d’Ivoire, erzielen fast 90 % der Kakaobauern und -bäuerinnen kein existenzsicherndes Einkommen. Auch die fortschreitende Abholzung tropischer Regenwälder für Anbauflächen, die Degradation der Böden und der Verlust von Biodiversität sind bleibende Herausforderungen. Die EU als größter Importeur von Kakaobohnen und insbesondere auch Deutschland als größter Exporteur und Hersteller von kakaohaltigen Produkten wie Schokolade tragen eine zentrale Verantwortung bei der Bewältigung dieser Herausforderungen.

Ein Beispiel für die Wahrnehmung dieser Verantwortung ist das Forum  Nachhaltiger Kakao, eine Multi-Stakeholder-Initiative unter Beteiligung von Bundesregierung, deutscher Süßwarenindustrie, Lebensmittelhandel und Zivilgesellschaft. Das Forum setzt sich für die Verbesserung der Lebensumstände der Kakaobauern und -bäuerinnen, den Erhalt der natürlichen Ressourcen und der Biodiversität sowie die Steigerung des Anbaus und der Vermarktung von nachhaltig erzeugtem Kakao ein.

Orangensaft

Orangensaft gehört weltweit zu den beliebtesten Fruchtsäften. Allein in Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei über 7 Litern pro Jahr. Damit gehören Deutschland und die EU zu den wichtigsten Abnehmern von Direktsaft und Orangensaftkonzentrat. 80 Prozent der Saftnachfrage werden vom weltweit größten Exporteur von Orangensaft, Brasilien, gedeckt; dort werden 70% der nationalen Orangenproduktion zu Orangensaft verarbeitet und davon werden wiederum 98% exportiert. Der Anbau der Saftorangen findet größtenteils im Süden Brasiliens in Monokulturen auf Großplantagen statt, so war der Bundesstaat São Paulo 2018 für 75% der Orangenproduktion des Landes verantwortlich. Zudem ist die Wertschöpfungskette von Orangensaft stark vertikalisiert und auf drei große Unternehmen konzentriert.

Das hat nicht nur erhebliche ökologische Folgen; die Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen sind häufig von niedrigen Arbeits- und Sozialstandards geprägt. Während der Ernte arbeiten die Arbeiter und Arbeiterinnen oft im Akkord, teilweise ohne Schutzkleidung – insbesondere gegen Pestizide – und unter hoher körperlicher Belastung. Verstöße gegen Arbeitszeiten sind weit verbreitet, Löhne bzw. Einkommen sind häufig nicht existenzsichernd.

Mit dem Ziel, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Arbeitende und Produzierende in der Orangensaftlieferkette zu verbessern und damit langfristig den Anteil nachhaltigen Orangensafts in Deutschland und der EU zu erhöhen, hat sich die Partnerschaft für Nachhaltigen Orangensaft (PANAO) gegründet, in der sich Akteure aus Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften sowie der öffentliche Sektor organisieren.

Baumwolle

Weltweit produzieren mehr als 29 Millionen Haushalte in rund 80 Ländern Baumwolle. Der Baumwoll-Sektor bildet vom Saatkorn bis zum Baumwollballen die Lebensgrundlage für weltweit mehr als 150 Millionen Menschen. In den meisten Ländern des globalen Südens, wie Indien, Pakistan, Burkina Faso, Mali, Benin, Tansania – aber auch in China – erfolgt der Anbau hauptsächlich durch Kleinbauern und -bäuerinnen.

In Afrika wird der Anbau durch Familien vorwiegend in Hand- und Feldarbeit geleistet. Die Erträge sind im weltweiten Vergleich sehr niedrig und können ein angemessenes und existenzsicherndes Einkommen nicht garantieren. Günstigere, synthetische Fasern üben einen hohen Druck auf den Baumwollmarkt aus und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der Kleinbauern und -bäuerinnen.

Zusätzlich hat die globale Baumwollwirtschaft mit vielen Herausforderungen wie Klimawandel und Kinderarbeit zu kämpfen. Die Auswirkungen des Klimawandels führen tendenziell zu einer Verschiebung der Anbauregionen und dementsprechend erschwerten Produktionsbedingungen. Zudem gefährdet oftmals ausbeuterische Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern eine nachhaltige lokale Entwicklung.

Jüngst hat die COVID-19-Pandemie zu einem globalen Einbruch der Baumwoll- bzw. Textillieferkette geführt. Der Absatz der Rohbaumwolle geriet aufgrund der weltweiten Einschränkungen ins Stocken, was unter anderem starke Preisschwankungen zur Folge hatte. Die längerfristigen Folgen auf die globale Baumwollwirtschaft sind bisher kaum absehbar.

Ein wichtiger Hebel, um die soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit von Baumwolle zu verbessern sind nach wie vor Siegel der Standardorganisationen.

Mittlerweile kommen fast 30% der globalen Baumwollproduktion aus nachhaltig zertifiziertem Anbau. Die wichtigsten Standardsysteme, die eine nachhaltige Baumwollproduktion zertifizieren, sind Better Cotton Initiative (BCI), Cotton Made in Africa (CmiA) und Fairtrade Cotton.

Allerdings gelangt nachhaltige Baumwolle noch immer zu wenig in den Handel, so dass die Kleinbauernfamilien bisher nicht genug von nachhaltigen Anbaumethoden profitieren.

Um soziale und ökologische Verbesserungen in den Anbauländern zu erzielen, ist die Steigerung der aktiven Nachfrage von nachhaltiger Baumwolle ein wichtiger Hebel. Dies kann jedoch nur in Zusammenarbeit und Kooperation mit der Privatwirtschaft gelingen.