Gender in der Praxis

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Um Geschlechtergerechtigkeit in ihren Lieferketten zu fördern, können Unternehmen auf verschiedene Hebel zurückgreifen. Diese sind grundsätzlich immer in Bezug auf den jeweiligen Kontext, die Region und die spezifische Lieferkette zu betrachten. Die folgende Übersicht zeigt mögliche Handlungsfelder auf, die dann entsprechend des Kontextes und der Lieferkette weiter ausgestaltet werden können.

Handlungsfelder

Landrechte

Landrechte, sei es formell oder informell, sind oft eine Voraussetzung für den Zugang zu anderen wichtigen Ressourcen wie Organisationen, Schulungen und Dienstleistungen. Die Förderung und Formalisierung von Landrechten für Frauen und andere marginalisierte Gruppen kann den Zugang zu diesen zentralen Ressourcen erleichtern und langfristige Investitionen in Land und Produktion ermöglichen.

Organisationen

Produzent*innenorganisationen bieten oft Raum für Kapazitätsaufbau, Ressourcenzugang, Inputs, Märkte sowie den Aufbau sozialer Netzwerke und Verhandlungsmacht. Geschlechtergerechter Zugang zu und die Beteiligung an Produzent*innenorganisationen (z.B. in Führungspositionen) ermöglicht allen, unabhängig vom Geschlecht, von diesen Vorteilen zu profitieren.

Arbeitskraft

Frauen sind oft in Sorgearbeit und landwirtschaftliche Tätigkeiten involviert und daher einer Mehrfachbelastung ausgesetzt. Maßnahmen sollten darauf abzielen, diese Arbeitslast zu verringern, anstatt zusätzliche Belastungen zu schaffen.

Trainings und Beratungsdienstleistungen

Der Zugang zu Schulungen und Beratung ist oft ungleich verteilt. Die Förderung geschlechtergerechter Angebote und Teilhabe kann zur Kapazitätsentwicklung sowie zur Verbesserung von Produktion und Qualität beitragen. Weibliche und marginalisierte Trainer*innen und Berater*innen können Frauen und marginalisierte Gruppen besser erreichen und als Vorbilder dienen, um ihre Rolle als Landwirt*innen und Führungskräfte zu normalisieren.

Digitale Technologien

Der Zugang zu digitalen Technologien in Agrar- und Ernährungssystemen ist ebenfalls oft ungleich verteilt. Ein geschlechtergerechter Zugang kann Informationsasymmetrien und Mobilitätseinschränkungen reduzieren und die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen und marginalisierten Gruppen fördern.

Einkommen und finanzielle Inklusion

Frauen und marginalisierte Gruppen verdienen häufig weniger oder gar nichts aus ihrer Beteiligung an Lieferketten. Eine Förderung geschlechtergerechter Haushaltsbeziehungen, geschlechtsspezifischer Nischenproduktion sowie Zugang zu Finanzwissen, -dienstleistungen und digitalen Technologien kann die finanzielle Inklusion und Unabhängigkeit unterstützen.

Business Praktiken

Durch inklusive und bedarfsorientierte Unternehmenspolitiken, enge und langfristige Zusammenarbeit mit Lieferanten, die Erhebung und Nutzung von gender-disaggregierten Daten sowie geschlechtergerechte Sorgfaltspflicht und Beschaffungspraktiken können Unternehmen Geschlechtergerechtigkeit in ihren Lieferketten fördern.

Für alle Handlungsfelder ist es wichtig, den Kontext zu berücksichtigen. Dies beinhaltet oft eine spezifische Ansprache von Männern und lokalen Gemeinschaftsstrukturen, um die Akzeptanz zu erhöhen.

Praxisbeispiele

Mahau Berseri, Ella, Mitglied der Frauengruppe KP3 prüft das Wachstum der neuen Triebe von Pflanzensetzlingen in der durch CAPPA unterstützen Baumschule in Sungai Penoban Village (Provinz Jambi). © FONAP/FORTASBI

Von nachhaltigem Palmöl zu nachhaltigen Landschaften: Das Mitgliederprojekt des Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) in Indonesien


In Kooperation mit dem indonesischen Palmölforum für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern FORTASBI und den indonesischen NGOs Setara-Jambi und CAPPA, engagieren sich 27 Mitglieder des FONAP seit März 2022 im größten Palmöl-Produktionsland. Das Projekt soll Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei unterstützen, nachhaltiger in der Palmölproduktion und darüber hinaus zu wirtschaften. Das Projekt verfolgt sowohl ökologische als auch soziale Ziele.
 

Ziel: Von nachhaltigem Palmöl zu nachhaltigen Landschaften
 

Wann:
•    März 2022 bis Februar 2023 (Phase 1)
•    September 2023 bis September 2024 (Phase 2)
 

Wer: Kooperation mit dem indonesischen Palmölforum für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern FORTASBI in Zusammenarbeit mit den lokalen NGOs Setara-Jambi und CAPPA und Einbindung von Koltiva in Phase 2. 
 

Wo: Tanjung Jabung Barat und Tebo (Pufferzone zum Bukit Tiga Puluh Nationalpark), Jambi, Sumatra, Indonesien

© Growasia

GrowHer:Kakao


Wann: 01.12.2022–31.03.2026
 

Wer: Grow Asia, gemeinsam mit Mars, Save the Children, Partnership for Indonesia's Sustainable Agriculture (PISAgro) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
 

Wo: Südsulawesi und Norden und Osten von Luwu, Indonesien
 

© Silas Koch

Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in landwirtschaftlichen Lieferketten in Äthiopien (SUVASE)


Eine integrierte Entwicklungspartnerschaft zwischen ECOM-Agroindustrial und GIZ für eine nachhaltige Kaffeelieferkette in Äthiopien.
 

Wann: 01.09.2022–31.12.2024
 

Wer: ECOM-Agroindustrial und Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.
 

Wo: die Bezirke Alle und Becho in der Zone Illubabor und der Bezirk Mana in der Zone Jimma in der äthiopischen Region Oromia

Gender Tools

Allgemeine/ breitgefächerte Tools

Women’s Empowerment Principles (WEPs)

Autor/Entwickler: UN Women & UN Global Compact
 

Zielgruppe: Unternehmen
 

Ziel: Holistisches Toolkit für Unternehmen, um die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Empowerment von Frauen am Arbeitsplatz, in ihren Lieferketten und in der Gesellschaft zu fördern.

Gender Gap Analysis Tool (Teil der WEPs)

Autor/Entwickler: UN Global Compact, UN Women, Multilateraler Investitionsfonds der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) und IDB Invest (2020)
 

Zielgruppe: Unternehmen
 

Ziele: 

– Identifikation der Unternehmensperformance, von Lücken und Opportunitäten im Bereich Geschlechtergerechtigkeit

– Darstellung von Best Practices

Gender-Responsive Procurement Assessment Tool (Teil der WEPs)

Autor/Entwickler: UN Women in Konsultation mit Unternehmen aus Asien, dem Pazifikraum und der EU (2023)
 

Zielgruppe: Unternehmen
 

Ziele:
– Analyse des Fortschritts zu Unternehmenspolitiken und -praktiken für gender-responsive Beschaffung 
– Identifikation von Lücken und Verbesserungsmöglichkeiten

Gender Equality Playbook for Business. A toolkit for the private sector on achieving global gender equality by 2030.

Autor/Entwickler: CARE International
 

Zielgruppe: Unternehmen
 

Ziele: 
– Unterstützung von Unternehmen, das SDG5 (Geschlechtergerechtigkeit) im Rahmen der Agenda 2030 voranzutreiben
– Darstellung unterschiedlicher Handlungsfelder, in denen sich Unternehmen für die Geschlechtergerechtigkeit engagieren können

Fokus auf Landwirtschaft & Agrarlieferketten

IDH Gender Toolkit

Autor/Entwickler: IDH
 

Zielgruppe: Unternehmen und Lieferketten-Akteure
 

Ziele: 
– Darstellung des business case for gender
– 6-Schritt-Roadmap zur Integration von Gender-Aspekten in Lieferketten-Ansätzen/ Projekte

Gender Equity Index

Autor/Entwickler: Equal Origins
 

Zielgruppe: Unternehmen, die Beratung und Dienstleistungen für Kleinbäuer*innen und Produzent*innen-Organisationen anbieten

Ziele: 
– Self-Assessment von Unternehmenspraktiken und -performance aus Genderperspektive 
– Identifikation von Opportunitäten
– Equal Origins bietet follow-up Beratung an

Gender Transformative Tracker Tool

Autor/Entwickler: International Coffee Organization (ICO) & Oxfam Business Advisory Services
 

Zielgruppe: ICO, Unternehmen, Zivilgesellschaft und öffentliche Akteure im Kaffeesektor
 

Ziele: 
– Bestandsaufnahme sowie Darstellung von Lücken und Opportunitäten im Bereich Gender
– Darstellung von Beispielmaßnahmen, um Aktivitäten, Strategien oder Proposals im Kaffeesektor aus Genderperspektive zu stärken

Gender-Inclusion Self-Assessment Tool

Autor/Entwickler: Value for Women, Aspen Network of Development Entrepreneurs, Walmart Foundation

Zielgruppe: Unternehmen im Agrar- und Lebensmittelsektor

Ziele: 
– Analyse der Gender-Integration in unterschiedlichen Unternehmensbereichen 
– Darstellung von Empfehlungen/Handlungsoptionen, wie Unternehmen die Gender-Integration entlang ihrer Geschäftsbereiche fördern können

Reaching and Empowering Women with Digital Solutions in the agricultural last mile

Autor/Entwickler: GSMA (2022)
 

Zielgruppe: Geber, Investoren im Agrarsektor
 

Ziele:
– Analyse der Einschränkungen und Hürden von Frauen in der Teilnahme an digitalisierten Agrarlieferketten
– Identifikation und Empfehlung von Best Practices zur Förderung ihrer Teilhabe

Fokus auf Due Diligence & Decent Work

Integrating a gender perspective into supply chain due diligence

Autor/Entwickler: OECD & FAO (2021)
 

Zielgruppe: Unternehmen im Agrar- und Lebensmittelsektor
 

Ziel: Darstellung, wie Unternehmen eine Gender-Perspektive in ihren Due Diligence Aktivitäten integrieren können entlang eines 5-Schritt-Prozesses

SheDil

Autor/Entwickler: Forum for Women and Development (FOKUS) mit Unterstützung des Norwegischen Außenministeriums
 

Zielgruppe: Unternehmen (u.A. im Agrarsektor)
 

Ziele:
– Unterstützung von Unternehmen, die Gender-Dimension in ihren Due Diligence Prozessen zu integrieren
– Bereitstellung einer schrittweisen, sektorspezifischen Roadmap mit konkreten Empfehlungen

Gender-Responsive Due Diligence Platform

Autor/Entwickler: Women Win, Plan International Netherlands und Partnering for Social Impact mit Unterstützung durch das Außenministerium der Niederlande
 

Zielgruppe: Unternehmen mit internationalen Lieferketten sowie Zulieferer und low-tier Käufer
 

Ziele:
– Konsolidierung einer Vielzahl an Materialien, Beispielen und Tools zu Gender-Responsive Due Diligence (GRDD) und dessen praktischer Umsetzung 
– Orientierung von Unternehmen bei der Umsetzung von GRDD
– Bereitstellung eines Self-Assessment Tests für Unternehmen

Gender Data Indicators

Autor/Entwickler: Ethical Trade Initiative, BSR, Fair Wear Foundation, Partnership for Sustainable Textiles, Dutch Agreement for Sustainable Garments and Textiles
 

Zielgruppe: Unternehmen im Agrar- und Lebensmittelsektor
 

Ziele:
– Unterstützung von Unternehmen, mehr und bessere gender-disaggregierte Daten zu ihren Lieferketten in einem 3-Stufenprozess zu sammeln
– Betrachtung von gender-disaggregierten Daten als integraler Bestandteil von Risikoanalysen und Monitoring

Decent Work Toolkit for Sustainable Procurement – Gender Modul

Autor/Entwickler: UN Global Compact
 

Zielgruppe: Unternehmen
 

Ziele:
– Darstellung, warum Decent Work relevant ist und wie die Implementierung von Decent Work gefördert werden kann 
– Darstellung der Relevanz von Genderaspekten im Rahmen eines Gender Moduls

Gender-based violence in global supply chains: Resource kit

Autor/Entwickler: Fear Wear Foundation und International Labour Organization (ILO)
 

Zielgruppe: Unternehmen, Arbeitgeber*innen, Gewerkschaften und andere Stakeholder in Lieferketten
 

Ziele:
– Sensibilisierung zu den Ursachen und Auswirkungen von geschlechtsbasierter Gewalt – auch auf Unternehmenseffizienz
– Unterstützung von Unternehmen und anderen Stakeholdern geschlechtsbasierte Gewalt und Diskriminierung in ihren Lieferketten zu bekämpfen
– Zusammenstellung von Hintergrundinformationen, Expertenmaterial, Case Studies und praktischen Strategien, um geschlechtsbasierte Gewalt gegenüber weiblichen Arbeiterinnen zu überwinden