• Einzelhandel AG
26. Juni 2024

Die Arbeitsgruppe des deutschen Einzelhandels zu existenzsichernden Löhnen und Einkommen (EH-AG), bestehend aus ALDI Nord, ALDI Süd, dm-drogerie markt, Kaufland und REWE Group, hat 2023 verschiedene Pilotaktivitäten im Rahmen des Projektes „Towards Living Wages in the Banana Sector“ durchgeführt. Dabei wurden Lernerfahrungen in Bezug auf Mechanismen, Lohnlücken zu schließen, gesammelt und Herausforderungen im Prozess der Lohndatenerhebung identifiziert. Schwierigkeiten wurden besonders bei der Integration von Lohn- und Betriebsdaten in die Salary Matrix und bei der Erfassung der Arbeitszeiten aufgrund fehlender Aufzeichnungen zu Überstunden und Wochenendarbeit identifiziert.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurde im Auftrag der Arbeitsgruppe eine Untersuchung von November 2023 bis März 2024 von Mainlevel Consulting durchgeführt. Dabei wurden Zeit- und Lohnerfassungssysteme auf 16 Bananenfarmen in Kolumbien, Costa Rica und Ecuador und ihre Vereinbarkeit mit der Salary Matrix untersucht.

Ziel der Studie

Mit der Studie sollen zur weiteren Unterstützung der Bananenfarmen Empfehlungen zur Verbesserung der Datenerhebungs- und Monitoringsysteme und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Salary Matrix herausgearbeitet werden.

Wichtigste Erkenntnisse & Empfehlungen

Ausbau technischer Unterstützung für Farmen im Verwaltungsbereich

Hohe Verwaltungskosten, Fehleranfälligkeiten bei Lohndaten und Einschränkungen bei der Interpretation der Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Vorgehensweisen beim Ausfüllen der Salary Matrix machen weitere Unterstützungsangebote im buchhalterischen und administrativen Bereich der Farmen erforderlich. Schulungen zur Lohndatenerhebung und Nutzung der Salary Matrix sollten häufiger durchgeführt werden, um eine Einheitlichkeit der Daten zu gewährleisten. Hierbei sind beispielsweise Beratungsangebote zur Anpassung farmeigener Monitoringsysteme an die Anforderungen der Salary Matrix zu empfehlen.

Ausbau des Schulungsangebots

Zusätzliche Schulungen sollten nach Bedarf durchgeführt werden, beispielsweise zur allgemeinen Finanzverwaltung auf den Bananenfarmen oder zur Kommunikation des Themas “existenzsichernde Löhne” gegenüber der Angestellten.

Transparentere Kommunikation im Lohndatenerhebungsprozess

Die Kommunikation rund um die Lohndatenerhebung mit der Salary Matrix sollte verbessert werden. Es sollte eindeutig kommuniziert werden, in welchem Verhältnis die Lohndatenerhebung und die Verifizierung der Daten mit Nachhaltigkeitszertifizierungen steht. Zweifel über mögliche negative Auswirkungen bei vorhandenen Lohnlücken sollten ausgeräumt werden.

Festsetzung einer gemeinsamen Strategie zur Schließung der Lohnlücken

Aufgrund der europäischen Marktanforderungen sehen sich die landwirtschaftlichen Betriebe einem hohen Aufwand ausgesetzt und in der alleinigen Verantwortung bei der Schließung der Lohnlücken. Strategien zur Schließung der Lücken sollten klar definiert werden und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten verbessert werden. Strategien zur Schließung der Lücke muss auf einer geteilten Verantwortung aufbauen, insbesondere auch die der europäischen Erzeuger und Supermärkte.

Förderung des Austauschs über bewährte Praktiken

In Kolumbien tauschen sich Bananenfarmen untereinander über die Nutzung und bewährte Praktiken im Hinblick auf die Salary Matrix aus.  Dies führt zu einer stärker dezentralisierten Verwaltung des Instruments und bestärkt das Gefühl der Eigenverantwortung. Ein länderübergreifender Austausch zwischen den Farmen in Kolumbien, Costa Rica und Ecuador sollte gefördert werden.  

Einbezug kontextueller Faktoren

Im Prozess der Lohndatenerhebung sollten kontextuelle Faktoren vermehrt eingebunden werden. Hierzu zählen länderspezifische Besonderheiten beispielsweise in Bezug auf obligatorische Sozialversicherung, Berufsrisikoversicherung, Solidaritätsverbände, Arbeitslosigkeit und Haushaltsgröße.