• Ankündigung
26. November 2023
© GIZ / Marcel Maffei

Ein Artikel von Jennice Radant

Auch in diesem Jahr trafen sich rund 80 Akteurinnen und Akteure aus Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Politik für zwei Tage in Berlin, um sich über mehr Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten auszutauschen.  

Lebhaftes Murmeln erfüllt den Raum. 80 Menschen stehen sich erwartungsvoll gegenüber. Es bleiben jeweils zwei Minuten, um das Gegenüber kennenzulernen. Welche Fragen sind relevant? Was möchte man erfahren? So beginnt am 6. November das zweitägige Stakeholdertreffen der INA. Das Event wurde von der Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten (INA) in enger Zusammenarbeit mit dem Globalvorhaben Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in Agrarlieferketten (GV AgriChains), dem Fonds zur Förderung von Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (i4Ag) und dem Nachhaltige Landwirtschaft für Waldökosysteme (SAFE) Projekt organisiert.  

Im Vordergrund des Zusammentreffens stand vor allem der Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteure, voneinander zu lernen und gemeinsam etwas zu schaffen. Dabei wurde besonders Wert auf die Perspektive der Erzeugerländer gelegt. Ausgetauscht wurde sich über zentrale Zukunftsthemen wie dem Klimawandel, Digitalisierung und Just Transition, sowie existenzsichernde Löhne und Gender. Außerdem teilten verschiedene Akteurinnen und Akteure ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der Sorgfaltspflichten und deren Umsetzung.   

„Find positive examples of change and share them so that others will get inspired.” 

Unternehmerische Sorgfaltspflichten & entwaldungsfreie Lieferketten 

Das diesjährige Treffen wurde mit einem Speeddating und einem Überblick über aktuelle Schlüsselthemen wie Biodiversität, Klima, Menschen, Gender, existenzsichernde Einkommen und Löhne und Digitalisierung eingeleitet. Als EU-Vertreterin schaltete sich Carla Montesi von der Generaldirektion Internationale Partnerschaften (DG INTPA) virtuell zu und dankte dem BMZ für seine Bemühungen, mit der EU-Kommission in der globalen Team Europe Initiative (TEI) zu entwaldungsfreien Lieferketten zusammenzuarbeiten. Dabei betonte sie vor allem, dass es nicht ausreicht, den „Tick-the-Box“-Ansatz zu verfolgen, um mit der EUDR und der CSDDD Wirkung zu erzielen, sondern dass in die Infrastruktur investiert werden muss – insbesondere in Lieferketten, die stark von Kleinbäuerinnen und -bauern abhängen. Montesi wies auch auf die wichtige Rolle von Initiativen wie der INA, dem GV AgriChains und I4Ag/SAFE hin, die Fachwissen zu wichtigen Themen wie Rückverfolgbarkeit, entwaldungsfreie Agrarlieferketten und existenzsichernde Einkommen bereitstellen. Auf die Frage „Wie kann die unternehmerische Sorgfaltspflicht in landwirtschaftlichen Lieferketten gefördert werden?“ verwiesen die Hauptredner von Union for Ethical Biotrade (UEBT), Solidaridad Deutschland und Equal Origins auf die Bedeutung von Risikobewertungsinstrumenten, gut funktionierenden Beschwerdemechanismen – insbesondere für Kleinbäuerinnen und -bauern – und der Dringlichkeit des Fokus auf die Gleichstellung der Geschlechter durch geschlechtertransformative Ansätze. 

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Digitalisierung  

In einer lebhaften Podiumsdiskussion erläuterten Vertreterinnen und Vertreter von Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Partnerinnen und Partnern aus Kolumbien, Peru, Kenia und dem Vereinigten Königreich die Vorteile der Digitalisierung für Produzentinnen und Produzenten. Dabei wurde deutlich, dass die Digitalisierung große Potenziale für die Rückverfolgbarkeit und den Aufbau transparenter landwirtschaftlicher Lieferketten birgt - allerdings nur, wenn Produzentinnen und Produzenten aktiv am Digitalisierungsprozess beteiligt werden. Es wurde zudem betont, dass die meisten Produzentinnen und Produzenten bislang nicht ausreichend von ihren gesammelten Daten profitieren, um die zusätzlichen Kosten für die Rückverfolgbarkeit auszugleichen oder gar von ihnen profitieren zu können. Damit sich die Rückverfolgbarkeit für die Produzentinnen und Produzenten in Zukunft lohnt, muss ganz klar der Dialog zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren hergestellt werden. 

“Ideas are easy, implementation is hard.”

Tobias Burger

(Singer-Songwriter)

© GIZ / Marcel Maffei

 

 

In ihren abschließenden Bemerkungen betonte Lisa Kirfel-Rühle die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Namen des BMZ, die Bedeutung von landwirtschaftlichen Lieferketten für die Erreichung der SDGs und die wichtige Rolle von Multi-Stakeholder-Partnerschaften, um die Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Lieferketten zu erhöhen und sicherzustellen, dass EU-Regelungen Wirkung zeigen und die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in den Partnerländern verbessern.   

Zum Abschluss des Abends gab der 17-jährige Singer/Songwriter Tobias Burger – Sieger des Engagement Global Songcontests - ein Akustikkonzert, bestehend aus eigenen Songs und Cover, die zum Nachdenken anregten. In einem Interview auf der Bühne merkte er an, wie leicht neue Ideen entstehen, doch dass sich die Umsetzung dieser Ideen oft als Hürde beweist.  

Nach der musikalischen Einlage gab es dann noch genügend Zeit sich bei Glühwein und Abendessen auszutauschen.  

Tag 2 

Der zweite Tag des Stakeholder-Treffens begann mit einem Vortrag von Olam International zu der Frage, wie landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten in Zukunft aus einer Klimaperspektive gestaltet werden müssen. Am Beispiel eines gemeinsamen Olam/i4AG-Projekts in der Reislieferkette wurde deutlich, dass Innovationen zur Abmilderung des Klimawandels nur dann erfolgreich sein können, wenn sie das Einkommen der Kleinbäuer*innen direkt erhöhen.  

“All activities must go hand in hand with increased income.”

Paul Nicholson

(Olam Agri)

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Im Anschluss an die Präsentation fand ein World Café statt, bei dem drei Akteure ihre Lösungen zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels in landwirtschaftlichen Lieferketten vorstellten. KOFAR, ein kenianisches Unternehmen, stellte ein System zur Wiederverwertung von pflanzlichen Abfällen vor, um die Produktionsqualität und die ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit der Kleinbäuerinnen und -bauern gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen. Der Think Tank Climate & Company setzte den Fokus darauf, wie wichtig die Einbeziehung des Finanzsektors ist, um Nachhaltigkeitsbemühungen in landwirtschaftlichen Lieferketten zu realisieren. Die Ethical Tea Partnership (ETP) machte deutlich, dass die Anpassung an den Klimawandel nicht isoliert angegangen werden kann. Sie muss durch die Gleichstellung der Geschlechter vorangetrieben werden, da Frauen unverhältnismäßig stark vom Klimawandel betroffen sind. Außerdem spielen wirtschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle, da Kleinbäuerinnen und -bauern durch begrenzte Einkommen eingeschränkt sind und daher nicht in der Lage sind, neue Techniken zur Abschwächung des Klimawandels zu erproben. 

“We have solutions, we just need some support.”

Francescah Munyi

(KOFAR Kenya Ltd)

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In einer kontroversen Fishbowl-Diskussion wurden die Teilnehmerinnen und -nehmern eingeladen, über die Gefahr zu diskutieren, dass die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten (EUDR) Kleinbäuerinnen und -bauern aus der Lieferkette ausschließt. Es wurde der Frage nachgegangen, ob die Umsetzung der Sorgfaltspflichtvorschriften für kleine und mittelgroße Unternehmen zu kostspielig ist. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es für Unternehmen bei bestimmten Rohstoffen einfacher ist, von Großproduzenten zu beziehen, als Kleinbäuerinnen und -bauern bei der Einhaltung der neuen Vorschriften zu unterstützen. Deutlich wurde, dass die Unternehmen den Dialog mit den Kleinbäuerinnen und -bauern intensivieren und sie bei der Einhaltung der Vorschriften unterstützen müssen, auch wenn dies zu höheren Kosten für die Unternehmen führt. Die Notwendigkeit langfristiger Beziehungen zu den Kleinbäuerinnen und -bauern wurde auch in einer Präsentation von Fairtrade Deutschland und dem Forum Fairer Handel hervorgehoben, die vorstellten, wie Fairtrade ihren Bäuerinnen und -bauern hilft, die neuen EU-Verordnungen einzuhalten. 

“Dialogue is an essential tool to find out what we need to do.”

Marc Bermann

(Fairtrade Germany) 

© GIZ / Marcel Maffei

 

 

Im Folgenden wurden mehrere Instrumente zur Förderung der Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Lieferketten vorgestellt, wie die Plattform "Digital Integration of Agricultural Supply Chains Alliance (DIASCA)" und das elan! Ein Instrument zur Förderung der Umsetzung von entwaldungsfreien Lieferketten und andere. Den Abschluss des Tages bildete ein Open-Space-Format, bei dem die Akteure die Möglichkeit hatten, ihre Ideen für neue Projekte vorzustellen oder weiterzuentwickeln und mögliche Kooperationen und Lösungen zu diskutieren.  

In ihren abschließenden Bemerkungen ermutigte Lisa Kirfel-Rühle die Teilnehmenden im Namen des BMZ, sich weiterhin aktiv an INA und anderen vom BMZ über die GIZ angebotenen Projekten zu beteiligen, da Kooperationsprojekte das Potenzial haben, positive Innovationen auszulösen. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Partnerländer in die Entwicklung nachhaltiger landwirtschaftlicher Lieferketten einzubeziehen, wobei die Gleichstellung der Geschlechter und die Einbeziehung von Randgruppen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren gehören. Sie bedankte sich herzlich bei allen Teilnehmenden, insbesondere bei denjenigen, die aus dem Ausland angereist waren, um an dem Treffen in Berlin teilzunehmen, da ihre Anwesenheit sehr wertvoll war und verschiedene Perspektiven und Meinungen in die produktiven Diskussionen einbrachte. 

Präsentationen vom Stakeholdertreffen 2023
Morisse & Sümnick-Matthaei​: Status Quo & Future Topics​ in Agricultural Supply Chains

Morisse & Sümnick-Matthaei​: Status Quo & Future Topics​ in Agricultural Supply Chains

UEBT: Corporate Due Diligence in Agricultural Supply Chains

UEBT: Corporate Due Diligence in Agricultural Supply Chains

Heyl & Rutten-Sülz: German LkSG meets Brazilian Reality

Heyl & Rutten-Sülz: German LkSG meets Brazilian Reality

Easson: Advancing Gender Equity

Easson: Advancing Gender Equity

Nicholson: Challenges of Climate Change in Agricultural Supply Chains

Nicholson: Challenges of Climate Change in Agricultural Supply Chains

Zanella Carra: Climate and Company

Zanella Carra: Climate and Company

Munyi: Link between Coffee Innovation Fund Project and Climate Change Mitigation

Munyi: Link between Coffee Innovation Fund Project and Climate Change Mitigation

Cracknell: Climate Change Challenges in Agricultural Supply Chains

Cracknell: Climate Change Challenges in Agricultural Supply Chains

Bermann & Fiedler: Compliance of Fair Trade

Bermann & Fiedler: Compliance of Fair Trade