• Ankündigung
29. April 2024

Was verdienen Bäuer*innen, Jugendliche, Pachtende oder Feldarbeiter*innen in der Kakaolieferkette aktuell? Reicht das Einkommen der Kakaohaushalte aus, um die wie hoch gestiegenen Produktionskosten und notwendigen Lebenshaltungskosten zu decken? Wie groß ist die Lücke zwischen ihrem Einkommen und einem existenzsichernden Einkommen? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Alliance on Living Income in Cocoa (ALICO) die Cocoa Household Income Study (CHIS) entwickelt, eine Best-Practice-Methode für skalierbare und vergleichbare Einkommensmessungen im Kakaosektor.

"Die CHIS-Methode ist wichtig, um auf der Grundlage der Analyse dieser qualitativ hochwertigen Daten für verschiedene Haushaltsgruppen, eine evidenzbasierte Politik- und Interventionsgestaltung zu ermöglichen. Wir hoffen, dass sie dazu beiträgt, die Einkommenslücken der bäuerlichen Haushalte deutlich zu verringern oder zu schließen".

Yuca Waarts, leitende Forscherin der Wageningen University & Research

 

Unter dem Dach von ALICO wurde diese Methodik federführend von der World Cocoa Foundation (WCF) mit der Gesellschaft für Internationale Entwicklungszusammenarbeit (GIZ) und der Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao (SWISSCO) erarbeitet und finanziert. In deren Auftrag wurde die neue Standardmethode von der Wageningen University Research (WUR) und dem Royal Tropical Institute (KIT) mit CIRES und EMC aus Côte d'Ivoire entwickelt. Partner der ALICO wie der WCF, die GIZ, die Nationalen Initiativen für Nachhaltigen Kakao (ISCOs), die Living Income Community of Practice (LICoP) und das VOICE Netzwerk haben gemeinsam mit Vertreter*innen aus Produktionsländern die Entwicklung dieser neuen Best-Practice-Standardmethode unterstützt. CHIS liefert skalierbare Einkommens- und Interventionsdaten, die Situation von bisher nicht mitberücksichtigten kakaoanbauenden Akteuren wie Frauen, Jugendliche, Pächter, Feldarbeiter*innen und Kakaobäuer*innen der indirekten Lieferkette analysieren. Die Anwendung der CHIS-Methode liefert detaillierte Analysen zu Haushaltseinkommen, Produktionskosten, der Bestimmung der Einkommenslücken zu einem existenzsichernden Einkommen und kann erforschen, wie sich Interventionen zur Verbesserung ihrer Situation darauf auswirken. Das genaue Verständnis der Situation von Kakaobäuer*innen ist, auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Kakaopreisdebatten, der Schlüssel zur Verbesserung von gezielten, wirksamen Maßnahmen und Interventionen.

Die Cocoa Household Income Study (CHIS) wurde mit lokalen und internationalen Interessenvertreter*innen während eines Hybrid-Workshops in Abidjan, Côte d'Ivoire, überarbeitet und danach offiziell auf der „Amsterdam Cocoa Week“ gelaunched.

"Damit Kakaobäuer*innen zukünftig fair entlohnt werden, müssen alle im Kakaosektor zusammenarbeiten. Deshalb ist es wichtig, eine gemeinsame Methode zu haben, um zu messen und zu vergleichen, wie viel Einkommen die Kakaobauernfamilien erhalten, damit wir ihre wirtschaftliche Situation genau verstehen können",

sagte Nicoletta Lumaldo, Innovation and Member Engagement Manager bei SWISSCO.

 

Ein großer Teil der kakaoanbauenden Haushalte kann grundlegenden Bedürfnissen aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation nicht nachkommen. Dazu zählt Schulbildung ihrer Kinder, Zugang zu ausreichenden Mengen an nahrhaften Lebensmitteln, Gesundheitsdienstleistungen, das Finanzieren einer angemessenen Wohnung, Transportkosten oder das Anlegen von finanziellen Rücklagen. Ein existenzsicherndes Einkommen würde diese Kosten zu decken.

"Um zu verstehen, wie die Einkommen der Kakaobauern wirksam erhöht werden können, müssen wir zuerst vergleichbar messen können, wie sich Interventionen auf diese Einkommen auswirken", sagte Michael Matarasso, WCF-Direktor für Monitoring und Evaluation. "Diese Methodik gibt allen im Sektor eine solide Datengrundlage, auf der wir aufbauen können, die uns hilft gemeinsam Fortschritte bei der Verbesserung der Einkommen der Kakaobauer*innen zu erzielen."

Unter Nutzung der CHIS-Methode werden die ALICO-Partner WCF, GIZ und SWISSCO zusammen Einkommensdaten in drei Regionen in der Côte d’Ivoire erheben. Die WCF wird später im Jahr 2024 eine Einkommensstudie in Yapo Abbé, SWISSCO in Cavally und die GIZ in Bossématié durchführen. Dabei wird die GIZ eng mit dem Forum Nachhaltiger Kakao (FNK/GISCO) und dem FNK-Projekt PRO-PLANTEURS, das vom ivorischen Conseil du Café-Cacao (CCC) kofinanziert wird, zusammenarbeiten. Andere Organisationen, Unternehmen und Regierungsbehörden sind eingeladen diese Best-Practice Methodik für ihre eigenen Forschungen und Datenerhebungen nutzen, um skalierbare und vergleichbare Einkommensdaten zu erzielen.

 

Lisa Kirfel-Rühle, als BMZ-Referentin zuständig für die Gestaltung nachhaltiger Kakaolieferketten, unterstreicht die Bedeutung der CHIS-Methodik und erklärt: "Mit CHIS setzen wir uns mit unseren Partnern gemeinsam für standardisierte, skalierbare Einkommens- und Interventionsdatenerhebungen im Kakaosektor ein, um auf Grundlage dessen den politischen Diskurs um existenzsichernde Einkommen zu stärken, inwiefern die bisherigen Maßnahmen ausreichend waren zum Schließen der Lücke zu einem existenzsichernden Einkommen, oder ob wir unser Engagement für faire Entlohnung im Kakaosektor verstärken müssen."

 

Alliance on Living Income in Cocoa (ALICO):

Innerhalb der Multi-Stakeholder-Plattform ALICO engagieren sich Partner aus dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft, Mitglieder der ISCOs und der LICoP und anderen Partnerorganisationen gemeinsam, für einen systemischen Wandel im Kakaosektor, damit Kakaobäuer*innen in Côte d'Ivoire und Ghana zukünftig ein existenzsicherndes Einkommen erhalten.