Auf einen Blick:

  • Die GIZ ist seit 2019 in Kolumbien tätig. Dem Projekt INCAS folgte direkt die Weiterführung mit INCAS Global+
  • Die Projekte fördern Nachhaltigkeit in internationalen Agrarlieferketten – und das vom Regal bis ins Feld. Ziel ist es, diese fair, nachhaltig und entwaldungsfrei zu gestalten. Auch ein existenzsicherndes Einkommen für Produzent*innen vor Ort steht im Fokus der Projektarbeit.
  • In Kolumbien arbeitet das Projekt in den Lieferketten von Kaffee, Kakao, Naturkautschuk, Palmöl und Banane.
  • Zur Erreichung der Projektziele werden digitale Lösungen für Bewertungen, Schulungen und technische Umsetzung entwickelt.

Kolumbien ist einer der acht Amazonas-Anrainerstaaten, dem größten und biologisch vielfältigsten tropischen Regenwaldgebiet unserer Erde. Durch ausgeweitete Agrarproduktion und illegalen Holzeinschlag werden die Waldgebiete jedoch stark dezimiert. Auch die nicht nachhaltige Bewirtschaftung trägt dazu bei.

Seit 2019 sind die INA und das Programm „Nachhaltige Agrarlieferketten und Standards“ der GIZ im Auftrag des BMZ in den Departments Caquetá und Meta aktiv. Gemeinsam mit dem AmPaz-Projekt, welches sich um den Schutz der natürlichen Ressourcen in Bürgerkriegs-Gebieten kümmert, werden dort nachhaltige, rohstoffübergreifende Produktionsregionen aufgebaut.


Kurz vorgestellt:

Das Department Caquetá ist Teil des Amazonas-Einzugsgebiets, ein strategisch wichtiges Ökosystem für Lateinamerika und für die Welt. Historisch gesehen war das Departement Caquetá die am stärksten von der Entwaldung in Kolumbien betroffene Region, da die Agrar-Grenze vorrückt und illegaler Anbau weit verbreitet ist. Die Region ist im gegenwärtigen Friedensprozess von entscheidender Bedeutung, leidet jedoch unter der anhaltenden Präsenz illegaler bewaffneter Gruppen und einem Mangel an staatlicher Kontrolle. Haupteinnahmequellen sind Kaffee, Kakao und eine umfangreiche Viehhaltung.

Das Departement Meta befindet sich im Herzen der landwirtschaftlichen Grenze im Einzugsgebiet des Flusses Orinoco und grenzt an den Amazonas. Meta ist ein wesentliches Gebiet für die Palmölproduktion Kolumbiens und ein Expansionsgebiet für Pflanzen wie Kaffee und Kakao. Durch den Friedensprozess werden nun Teile von Meta für die Landwirtschaft geöffnet, was große Herausforderungen für die Wahrung des Gleichgewichts zwischen natürlichen Ressourcen und landwirtschaftlicher Entwicklung mit sich bringt.


Kleinbauern und Kleinbäuerinnen machen in den beiden Departements über 80 Prozent der Produzent*innen landwirtschaftlicher Produkte aus. Die Mehrheit bemüht sich, den Zugang zu (inter-)nationalen Märkten sicherzustellen oder aufrechtzuerhalten. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen schneiden hier im Vergleich zu größeren Betrieben häufig schlechter ab. Dazu kommt, dass ihr Lohn unter dem regionalen Benchmark für ein existenzsicherndes Einkommen liegt.

© Niels van Iperen / Solidaridad
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Nachhaltige Produktion und existenzsichernde Einkommen im Fokus

Und genau an diesem Punkt setzen die Projekte INCAS, mit dem 2019 in Kolumbien alles startete, sowie die Weiterführung INCAS+, die im Januar 2020 angeschlossen wurde, an. Ziel ist es, die Produktion nachhaltig zu gestalten und die Lebens- und Einkommenssituation von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu verbessern – ohne den Wald und die natürlichen Ökosysteme zu gefährden. Auch der Zugang zu internationalen Premiummärkten soll durch das Projekt sichergestellt werden – und zwar für alle.

Neben einer nachhaltigen Produktion steht auch die rohstoffübergreifende Arbeit in Bezug auf Kaffee, Kakao, Palmöl und Kautschuk im Fokus. Künftig soll der Anbau dieser Rohstoffe in nachhaltigen Agroforst- und Waldnutzungssystemen erfolgen, um eine Alternative zur extensiven Viehwirtschaft zu schaffen. So wird auch der Entwaldung massiv entgegengewirkt, da die Viehwirtschaft in Kolumbien als Hauptentwaldungstreiber gilt.

Weitere Projektziele:

  • Schulung und Qualifizierung von Produzent*innen zu nachhaltigen Anbaupraktiken
  • Diversifizierung der agroforstlichen Produktion sowie die Förderung neuer Produktlinien
  • Anbindung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen an globale und faire Lieferketten
  • Organisationsstärkung von Kooperativen und Produzentenorganisationen
  • Steigerung der nachhaltigen Produktion
  • Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren des Privatsektors, um Transparenz und Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten zu erhöhen
  • Austausch und Wissenstransfer auf globaler Ebene durch Dialoge und Multi-Stakeholder-Plattformen

Sie wollen mehr über das Projekt erfahren und wissen, welche Maßnahmen konkret umgesetzt werden? In diesem Factsheet finden Sie weitere Infos zum Projekt:

Um die Projektziele zu erreichen und auch zu dokumentieren, haben die GIZ und ihr Implementierungspartner Solidaridad eine Reihe digitaler Lösungen für Bewertungen, Schulungen und technische Umsetzung entwickelt. Die mit diesen Tools gesammelten Informationen ermöglichen es, Produzent*innen, Unternehmen und regionalen Einheiten bessere Entscheidungen für Maßnahmen in diesen ertragreichen Landschaften zu treffen.

Erkenntnisse aus digitalen Lösungen für maßgeschneiderte Aktionspläne

Durch die Verwendung der digitalen Anwendung Farming Solution und Extension Solution können Unternehmen die wichtigsten Verbesserungsbereiche erkennen. Zudem kann der gesamte Sektor so unternehmerisches Geschäftsverständnis und Einblicke in übergreifende Produktionsfragen gewinnen. Auf der Grundlage der individuellen Bewertungen sowohl für das Unternehmen als auch für die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen werden spezifische, maßgeschneiderte Aktionspläne erstellt. Mithilfe von Gruppenbenchmarks können Bauernverbände und Partner in der Wertschöpfungskette Herausforderungen pro Erzeugergruppe identifizieren und ihre Leistung mit denen ihrer Kollegen im Projektgebiet und auf Sektorebene vergleichen.

Das Projekt baut auch Kapazitäten auf. Ziel ist es, die teilnehmenden Unternehmen, Organisationen und Produzent*innen bei der Umsetzung ihrer Verbesserungspläne durch die Entwicklung maßgeschneiderter Schulungsmaterialien und Schulungen zu unterstützen. Lokale Landwirt*innen und ländliche Beratungsdienste haben Zugang zu einer Online-Bibliothek, die relevante Materialien wie Handbücher oder Videos mit konkreten Orientierungshilfen zur Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Leistung bereitstellt.

Landwirt*innen, die an einer Zertifizierung ihrer Produkte interessiert sind, haben Zugang zu einer vollständigen Zertifizierungs-Checkliste. Mit deren Hilfe können sie ihre Praktiken mit den Zertifizierungsanforderungen freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards wir Rainforest Alliance oder dem Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO, vergleichen. Joel Brounen, Landesmanager von Solidaridad in Kolumbien, fügt hinzu: „Das IKT-basierte Expertensystem, das wir im Rahmen des INA-Projekts in Kolumbien verwenden, ist speziell darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit in der gesamten Lieferkette zu stärken und die kontinuierliche Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion entlang dieser Kette zu unterstützen. Bei erfolgreicher Übernahme durch die Zielgruppen können die digitalen Anwendungen, die unterstützenden Materialien und Methoden leicht in weiteren Sektoren in Kolumbien verbreitet werden.“

 

Es konnte schon einiges erreicht werden

Die verschiedenen Maßnahmen und Bemühungen der GIZ in Kolumbien machen sich bemerkbar: So konnte beispielsweise das durchschnittliche Einkommen der 9.100 geförderten kleinbäuerlichen Betriebe um 10 Prozent angehoben werden. Auch die Beschäftigungssituation hat sich für 8.000 Personen verbessert. Dies betrifft mindestens 10 Prozent Frauen und 10 Prozent der jungen Erwachsenen.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit wurde viel erreicht: Neun Unternehmen haben sich an der Umsetzung von gendersensiblen Nachhaltigkeitskonzepten beteiligt. Seit Projektbeginn konnten die Flächen, die nach Nachhaltigkeitsstandards bewirtschaftet werden, um 16 Prozent vergrößert werden und auch der Verlust von schützenswerten Flächen ist zurückgegangen.


Von Coca zu Kaffee: Konkreter Fortschritt in der Region Meta

Privatröster Edgar Luttermann aus Wedemark bei Hannover importiert seit 2017 Spezialitätenkaffee von kolumbianischen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen aus der Orinocoregion Meta. Daraus ist eine enge Partnerschaft zwischen seinem Unternehmen Kafkao Republik und der Kaffee-Genossenschaft CAFEMASU in Mesetas entstanden. Mehr als 40 Bäuerinnen und Bauern exportieren ihre Spezialitätenkaffees direkt nach Deutschland und erzielen dabei bis zu 200 Prozent des Weltmarktpreises. Weitere Informationen über die gelungene Zusammenarbeit finden Sie auf der Homepage www.kafkao.de.


Dieses Projekt wird vom Globalvorhaben Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in Agrarlieferketten ausgeführt.