Projekttagebuch

In Sub-Sahara-Afrika arbeitet das Projekt Cotton4Impact daran, die Baumwoll-Lieferkette zu digitalisieren – auch, damit die Kleinbäuerinnen und -bauern ihre Erträge erhöhen und gegen den zunehmenden Klimawandel absichern können.

Baumwolle ist die wichtigste Naturfaser der Welt. Mehr als 100 Millionen Haushalte in 75 Ländern hängen direkt vom Baumwollanbau ab. Wenn man das verarbeitende Gewerbe noch hinzuzählt, sind es weitere 350 Millionen Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Baumwolle bestreiten. Auch in Afrika, wo rund sieben Prozent der weltweiten Anbauflächen liegen, leben Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern und ihre Familien vom Baumwollanbau.

„Wir wollen die Bäuerinnen und Bauern in unseren afrikanischen Partnerländern in der Baumwollproduktion unterstützen“, sagt Philippe Saner von der Paul Reinhart AG, die gemeinsam mit der Alliance Ginneries Ltd aus Tansania und Sambia sowie Ivoire Coton aus Côte d’Ivoire 2021 ein Projekt mit dem Namen „Cotton4Impact“ ins Leben gerufen hat. „Aus Tradition, weil wir schon viele Jahre mit unseren afrikanischen Partnern zusammenarbeiten. Aber auch aus einem Verantwortungsbewusstsein für unsere Lieferkette heraus.“ Seit mehr als 230 Jahren handelt die Paul Reinhart AG mit Baumwolle – insbesondere auch mit Biobaumwolle aus Afrika. Dort allerdings wird es für kleinbäuerliche Betriebe immer schwieriger, rentable Baumwollerträge aus nachhaltiger Produktion zu erzielen.

Klimawandel, Verlust der Biodiversität – die Liste der Herausforderungen ist lang

Baumwolle wächst in Regionen mit langen Trockenperioden, aber für eine erfolgreiche Baumwollernte ist es entscheidend, dass die Pflanze während der Wachstumsphase genügend Wasser bekommt. Afrikanische Baumwolle wird nicht künstlich bewässert, die Ernten sind also vom Regenfall abhängig. Hat sich die Baumwollkapsel erst einmal voll entwickelt, muss es trocken sein, damit die Kapsel aufspringt und die Naturfaser sich in guter Qualität bis zur Ernte entwickeln kann. Der fortschreitende Klimawandel aber verschiebt die Regen- und Trockenzeiten und gefährdet zunehmend die Ernten – auch, weil in den kleinbäuerlichen Betrieben oft das Know-how fehlt, wie sich die Anbaumethoden an den Klimawandel anpassen ließen.

Darüber hinaus ist der Preis, den afrikanische Baumwolle auf den internationalen Märkten erzielt, mitunter starken Schwankungen ausgesetzt. Und: Die Kleinbäuerinnen und -bauern müssen gegen die auf riesigen Plantagen angebaute Baumwolle führender Exportnationen wie den USA, Brasilien oder Australien konkurrieren. Damit die Zukunft der Baumwolle aus Subsahara-Afrika nachhaltig gesichert ist, müssen die Bäuerinnen und Bauern dringend ihre Erträge und damit auch ihr Einkommen erhöhen.

Eine Lösung: Klimaangepasste und ressourcenschonende Anbaupraktiken

„In unserem Projekt geht es darum, die Lieferkette der Baumwolle zu digitalisieren, um dadurch die Nachfrage nach Baumwolle aus Afrika und somit das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern zu sichern“, erklärt Philippe Saner. Dazu müsse man zum einen den Ertrag auf den Feldern langfristig erhöhen. Zum anderen wolle man den Weg der Baumwolle nach Möglichkeit schon vom Feld über die Entkörnungsfabrik und die Spinnerei nachverfolgen – auch, um die Sorgfaltspflichten einzuhalten, denen die Reinhart AG nicht nur gesetzlich, sondern auch moralisch verpflichtet ist.

„Wir schulen die Bäuerinnen und Bauern in sogenannten guten landwirtschaftlichen Praktiken“, beschreibt Boaz Ogola, Managing Director bei Alliance Ginneries Ltd aus Tansania den Ansatz des Projekts. Das sind – klimaangepasste – Anbaupraktiken, die die natürlichen Ressourcen schonen und zum Beispiel weniger Energie und Wasser verbrauchen und den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln so weit wie möglich reduzieren. Das spart Kosten, gleichzeitig können die Erträge erhöht werden.

„Wir haben uns mit den Bäuerinnen und Bauern zusammengesetzt, um herauszufinden, welche Informationen, Daten und welche Unterstützung sie sich überhaupt wünschen“, sagt Philippe Saner. Das kann von Land zu Land, von Region zu Region anders sein. Inzwischen werden die benötigten Informationen über eine App angeboten und können von den Beratern der Kleinbäuerinnen und -bauern auch in Gegenden genutzt werden, in denen die Farmen weiter auseinanderliegen.

Das Cotton4Impact-Projekt stellt auch Wetterdaten zur Verfügung, die per SMS oder Sprachnachricht an die Bäuerinnen und Bauern geschickt werden. Droht Starkregen oder ein Sturm? Wird es überhaupt regnen in absehbarer Zeit? Auf der Grundlage verlässlicher Daten können die Produzent*innen wichtige Entscheidungen treffen und die beste Zeit und Methode für die Aussaat und Bewirtschaftung ihrer Felder bestimmen. Bislang kommen die Dienste mehr als 21.000 Produzent*innen in Sambia und Tansania zugute, in Côte d’Ivoire sind es fast 40.000 Anwender*innen. Geplant ist, dass bis zu 100.000 Baumwoll-Produzent*innen von den digitalen Diensten profitieren.

Vorschau auf die zweite Geschichte:

Das Projekt Cotton4Impact arbeitet daran, die Lieferkette der Baumwolle über die Spinnereien und die Entkernungsfabriken bis zurück auf die Felder einzelner Bäuerinnen und Bauern lückenlos zurückzuverfolgen. Was die Produzent:innen davon haben, erzählt die nächste Geschichte.

 


Cotton4Impact wird im Rahmen der Sub-Saharan-Cotton-Initiative vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt.