Living Income Arbeitsgruppe - Gemeinsame Selbstverpflichtung

Der deutsche Handel will fair – Unternehmen bekennen sich zur Förderung existenzsichernder Einkommen und Löhne

 

Führende Unternehmen des deutschen Einzelhandels setzten am Eröffnungstag der Internationalen Grünen Woche ein Zeichen für fairen Handel. Im Beisein von Bundesminister Dr. Gerd Müller unterzeichneten sie eine gemeinsame Erklärung zur Förderung existenzsichernder Einkommen und Löhne in den Lieferketten ihrer Eigenmarkenprodukte.

 

Unter dem Motto „EINEWELT – unsere Verantwortung“ öffnete auf der Internationalen Grünen Woche die Messehalle des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ihre Tore. Verantwortung zeigen dort auch führende Unternehmen des deutschen Einzelhandels. Aldi Nord, Aldi Süd, dm-drogerie markt, Kaufland, Lidl, REWE Group und Tegut präsentierten im Beisein von mit Bundesminister Dr. Gerd Müller ihre gemeinsame freiwillige Selbstverpflichtung für die schrittweise Realisierung existenzsichernder Einkommen und Löhne in Agrar-Lieferketten der Eigenmarkenprodukte. Hiermit stärken die Unternehmen den fairen Handel und übernehmen Verantwortung für die Einhaltung von Sorgfaltspflichten in ihren Lieferketten.

 

Für das BMZ ist es erklärtes Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen am Anfang globaler Lieferketten zu verbessern. Bundesminister Gerd Müller betonte gemeinsam mit den Unternehmen die Bedeutung existenzsichernder Einkommen und Löhne für die Bekämpfung von Armut sowie ausbeuterischer Kinderarbeit. Er bezeichnete die Unterzeichnung der gemeinsamen freiwilligen Selbstverpflichtung als wichtigen Beitrag der Wirtschaft und forderte weitere Unternehmen auf, sich in der Arbeitsgruppe zu engagieren.

 

Dem Einzelhandel kommt eine entscheidende Rolle bei der Förderung von nachhaltigen Lieferketten und nachhaltigem Konsum zu. Für die Produktion der Handelsware werden Rohstoffe wie Kakao, Kaffee oder Bananen verwendet, die oft von kleinbäuerlichen Betrieben und Plantagen in Partnerländern im globalen Süden stammen.  Viele Produzentinnen und Produzenten am Anfang dieser Lieferketten erzielen mit ihrer Arbeit allerdings nur ein sehr geringes Einkommen: Ein typischer kakaoproduzierender Haushalt mit sieben Familienmitgliedern in der Côte d’Ivoire verdient zum Beispiel etwa 172€ im Monat. Dies ist lediglich ein Drittel eines existenzsichernden Einkommens und Kosten für eine ausgewogene Ernährung, Schulmaterialien oder Arztbesuche können hiervon meist nicht gedeckt werden.

 

Die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen wurde im Rahmen der Arbeitsgruppe des deutschen Einzelhandels zu existenzsichernden Einkommen und Löhnen erarbeitet. Das BMZ unterstützt diese Zusammenarbeit mit seiner Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten (INA), die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) realisiert wird. Sie koordiniert die Arbeitsgruppe und stellt den Mitgliedern ihre fachliche Expertise für die Umsetzung der geplanten Aktivitäten zur Verfügung.

 

Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der GIZ,  zeigte sich über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe erfreut. „Es ist den meisten großen Unternehmen im deutschen Einzelhandel gelungen, zusammen mit gleichgesinnten Akteuren und Initiativen, mehr Nachhaltigkeit in globale Lieferketten zu tragen“. Durch die Unterzeichnung der freiwilligen Selbstverpflichtung signalisierten Bundesminister Dr. Gerd Müller und Tanja Gönner die Bereitschaft, gemeinsam mit den Unternehmen auf die Umsetzung existenzsichernder Einkommen und Löhne hinzuwirken.

 

Die in der Erklärung vereinbarten Handlungsschritte umfassen unter anderem die Berechnung von Einkommens- und Lohnlücken sowie die Umsetzung nachhaltiger Beschaffungspraktiken zusammen mit Einkäufern und Lieferanten. Bis 2025 sollen diese Maßnahmen in ersten Pilotprojekten umgesetzt werden.

Die unterzeichnenden Unternehmen Aldi Nord, Aldi Süd, dm-drogerie markt, Kaufland, Lidl, REWE Group und Tegut verständigten sich unter anderem auf folgende Handlungsschritte hin zur Realisierung existenzsichernder Einkommen und Löhne:

  • Auf allen Unternehmensebenen soll ein gemeinsames Verständnis für die Relevanz existenzsichernder Einkommen und Löhne etabliert werden.
  • Die Realisierung existenzsichernder Einkommen und Löhne soll als langfristiges Ziel in der Nachhaltigkeitspolitik der Einzelhandelsunternehmen verankert werden.
  • Durch Hot-Spot-Analysen werden Lieferketten identifiziert, in denen ein besonders hohes Risiko für niedrige Einkommen und Löhne auf Produzentenebene gilt.
  • Um die Rückverfolgbarkeit der Agrarrohstoffe zu ermöglichen, soll die Transparenz der Lieferketten gesteigert werden.
  • Nachhaltige Beschaffungspraktiken werden in Zusammenarbeit mit Einkäufern und Lieferanten entwickelt und umgesetzt.
  • Zusammenarbeit und Dialog entlang der Lieferketten sowie mit anderen lokalen und internationalen Akteuren wird gestärkt – u.a. auch mit standardsetzenden Organisationen.
  • Die Mitglieder der Arbeitsgruppe werden in einem festgelegten Zeitrahmen über ihre Fortschritte und Lernerfahrungen berichten.
  • Relevante Tools, Daten und Ressourcen werden innerhalb der Arbeitsgruppe sowie für andere relevante Akteure bereitgestellt, und auf bestehende Ansätze, wo möglich, aufgebaut.
  • Bis 2025 werden die Maßnahmen in ersten Pilotprojekten umgesetzt.

Weitere Informationen:

 

Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten (INA)
www.nachhaltige-agrarlieferketten.org

Existenzsichernde Einkommen
www.living-income.com