Berechnung von Referenzwerten für existenzsichernde Einkommen und Löhne

Toni-Kaatz-Dubberke

Viele Unternehmen haben erkannt, dass existenzsichernde Einkommen für kleinbäuerliche Produzentinnen und Produzenten in ihrem eigenen Interesse liegen. Wichtig zu wissen ist dabei, wie hoch ein existenzsicherndes Einkommen mindestens sein sollte. Komplette Studien dazu sind jedoch oft zeitaufwendig und kostenintensiv.  Mit einer neuen Methode kann diesen Hürden begegnet werden. Die GIZ hat zusammen mit Fairtrade und den Experten für existenzsichernde Einkommen Richard und Martha Anker eine schnelle und kostengünstige Alternative entwickelt, wie man existenzsichernde Einkommen und Löhne weltweit berechnen kann. Die Entwicklung wurde von der Global Living Wage und der Living Income Community of Practice sowie weiteren Partnern unterstützt.

 

Die Nachfrage nach „Benchmarks“ steigt

 

Die Schnellberechnungsmethodik hilft vor allem, um einen ersten Eindruck der Situation zu gewinnen und diejenigen Sektoren zu identifizieren, in denen Löhne und Einkommen besonders gering sind. Auch können die Benchmarks schnell für Länder berechnet werden, in die man nicht so einfach reisen kann. So können auch für Krisengebiete oder schwer erreichbare Regionen Lebensunterhaltskosten offengelegt werden. Die Nachfrage von Unternehmen und Organisationen nach Schätzungen des existenzsichernden Lohns und des existenzsichernden Einkommens hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Messungen der Unterschiede zwischen dem, was Produzentinnen und Produzenten in globalen Lieferketten verdienen und was sie und ihre Familien für einen menschenwürdigen Lebensstandard benötigen, ist eine Grundlage, um Verbesserungen der Lebenssituationen von Menschen im globalen Süden gemeinsam mit allen relevanten Akteuren voranzutreiben. Damit haben sich solche Bezugswerte längst zu einem wichtigen Baustein in der internationalen Zusammenarbeit entwickelt.

 

Neue Methodik: Werte für Regionen anstatt für einen Standort

 

Die Anker Referenz-Werte werden auf der Grundlage von 40 bestehenden Anker-Studien (11 in Afrika, 20 in Asien und neun in Lateinamerika) berechnet. Sie zeigen den durchschnittlichen existenzsichernden Lohn und das existenzsichernde Einkommen für ländliche und städtische Gebieten innerhalb jedes Landes, anstatt für einen

spezifischen Standort. Durch die Analyse vergangener Daten werden die Referenzwerte

vorhersagen, wie hoch der existenzsichernde Nettolohn (oder der Lohn zum „Mitnehmen“) ist und das Lebenseinkommen für ein bestimmtes Entwicklungsland sein sollte. Die Fehlergrenze liegt dabei bei maximal zehn Prozent.

 

Bei den existenzsichernden Löhnen wie Einkommen handelt es sich um Nettowerte. Abzüge wie obligatorische Gehaltsabrechnungen und Einkommenssteuern sind derzeit nicht inbegriffen. Jedes Jahr werdend die Referenzwerte unter Berücksichtigung von Inflation, wirtschaftlicher Entwicklung und Änderungen der Einkommenssteuerniveaus aktualisiert.

 

Die ersten 16 Anker-Referenzwerte zu existenzsichernden Einkommen und Löhnen Werte mit Länderprofilen sind von nun an unter den folgenden Links zu finden: https://www.globallivingwage.org/

 

In folgender Online-Schulung erfahren Sie mehr über die neue Methodik zur Berechnung existenzssichernder Einkommen und Löhne: https://vimeo.com/436783506 und die Diskussion im Nachgang hier abgerufen werden: https://vimeo.com/438277937